Halsband und/oder Geschirr?
Hundehaltung allgemein

Halsband oder/und Geschirr?

Während das Internet meist zum Hundegeschirr rät, rücken aktuelle medizinische Studien die langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Modelle zunehmend in den Fokus. Dieser Artikel fasst die wichtigsten anatomischen Details zusammen, um Hundehalter für eine gesundheitsbewusste Entscheidung zu sensibilisieren.

Das Wichtigste aber gleich vorweg!

Das Ziehen an der Leine ist für jeden Hund, egal ob er am Halsband oder im Geschirr geführt wird schlecht und sollte so früh wie möglich unterbunden werden.

  • es entsteht immer Druck
  • es entsteht immer Reibung
  • es fordert und fördert immer Gegenzug ein
  • es nervt den Hundeführer
  • es stresst die Hunde/Menschbeziehung

In den vergangenen Jahren hat das Hundegeschirr das klassische Halsband immer häufiger abgelöst. Dabei liegen seine Wurzeln eigentlich in der Arbeitswelt, wo es ursprünglich für das Tragen oder Ziehen schwerer Lasten konzipiert wurde. Heute steht Hundehaltern eine schier endlose Auswahl gegenüber – vom Sattel- und Norwegergeschirr bis hin zu speziellen Zug-, Sicherheits- oder Step-in-Modellen. Doch genau diese Vielfalt macht die Suche nach der perfekten, anatomisch korrekten Passform so schwierig.

Dass ein Geschirr mehr sein muss als nur hübsch anzusehen, belegen mittlerweile zahlreiche medizinische Studien. Ein schlechter Sitz ist nicht nur unkomfortabel, sondern kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben: Chronische Fehlbelastungen führen im schlimmsten Fall zu Missbildungen an Schultergelenken und Schulterblättern, begünstigen Bandscheibenvorfälle oder verursachen Verletzungen an den Rippen und der empfindlichen Luftröhre.

Siehe hierzu dieser Link zu einer Studie aus dem Jahr 2022. (Sie ist auf Englisch hat aber ein Übersetzungs-Tool integriert) Deutlich ist zu sehen: Geschirr ist nicht gleich Geschirr, Hund ist nicht gleich Hund!

Die Nachfolgende Zeichnung zeige ich Punkte die aus meiner Sicht unbedingt überprüft werden sollten:

A Das Geschirr darf nicht in den Hals einschneiden

B Das Geschirr darf nicht in Bewegung am Bein oder Körper reiben

C Das Geschirr darf nicht auf das Schlüsselbein drücken

D Das Geschirr darf nicht auf die kleine lose, letzte Rippe drücken.

Die Nachteile des Geschirrs:

  • Verletzungsgefahr beim Spielen mit Artgenossen oder im Unterholz
  • Bewegungseinschränkung z.B. in der Schrittlänge durch Reibung oder Muskelverspannungen
  • bei Zug erhebliche Stauchung z.B. der Wirbelsäule
  • Zug wird i.A. erleichtert, der Hund wird animiert zu ziehen
  • Geringe Kontrolle über den Hund
  • Hund kann aus dem Geschirr schlüpfen

Auch das Halsband ist nicht unproblematisch.

Nachteile des Halsbandes:

  • Verletzungen der Luftröhre
  • Stauchung der Halswirbel
  • Verletzungen Kehlkopfes
  • Verletzungen der Schilddrüse
  • Hund kann aus dem Halsband schlüpfen

Das Problem: Zu eng und zu hoch

Häufig sieht man Halsbänder, die sehr eng geschnallt sind, damit der Hund nicht herausschlüpfen kann. Ein solches Halsband sitzt zwangsläufig oft viel zu hoch – direkt am Übergang vom Kopf zum Hals. Anatomisch gesehen ist dies eine Gefahrenzone: Hier liegen der Kehlkopf und die Schilddrüse fast ungeschützt unter der Haut. Übt das Halsband an dieser Stelle Druck aus, kann dies nicht nur schmerzhaft sein, sondern Entzündungen der Schilddrüse provozieren oder den Kehlkopf nachhaltig schädigen.

Die Tücke klassischer Klick-Verschlüsse

Ein herkömmliches Halsband mit Klick-Verschluss (oder Dornschließe) wird oft locker eingestellt, um dem Hund mehr Komfort zu bieten. Das birgt jedoch ein Sicherheitsrisiko: Erschrickt der Hund oder weicht er rückwärts aus, kann er sich mit einer geschickten Bewegung ganz einfach nach hinten aus dem Halsband herausziehen. In Gefahrensituationen, etwa an einer befahrenen Straße, kann das fatal enden.

Die Lösung: Das Zugstopp-Halsband

Eine anatomisch und sicherheitstechnisch sinnvolle Alternative ist das Zugstopp-Halsband (oft auch als Dressurhalsung oder Martingale bezeichnet). Der Name führt oft zu Missverständnissen, doch bei richtiger Anwendung ist es eines der schonendsten Halsbänder:

  1. Individuelle Begrenzung: Der „Stopp“ wird exakt so eingestellt, dass sich das Halsband bei Zug nur so weit zuzieht, wie der Halsumfang des Hundes an der schmalsten Stelle misst. Ein Herauswinden wird damit unmöglich.
  2. Lockeres Tragegefühl: Im „Normalbetrieb“ – also wenn der Hund entspannt an der Leine läuft – hängt das Halsband locker und weit.
  3. Schutz der empfindlichen Organe: Durch das lockere Hängen rutscht das Halsband automatisch in den unteren Halsbereich. Dort ist die Muskulatur kräftiger und die empfindlichen Strukturen wie Kehlkopf und Schilddrüse liegen weit oberhalb der Druckzone. Sollte doch einmal Zug entstehen, wirkt dieser primär auf die Luftröhre im unteren Bereich, was deutlich weniger riskant ist als punktueller Druck auf die Drüsen und Knorpel des oberen Halses.

Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage ‚Halsband oder Geschirr?‘. Die Entscheidung muss immer individuell getroffen werden und hängt maßgeblich von der Körperstatur, dem Muskelstatus und der Halslänge deines Hundes ab. Auch bestehende gesundheitliche Einschränkungen sowie das jeweilige Temperament spielen eine entscheidende Rolle. Am wichtigsten ist, dass die gewählte Lösung die empfindliche Anatomie schützt und dem Hund maximale Bewegungsfreiheit ermöglicht

Für einen unsicheren, jungen oder kleinen Hund empfehle ich ein Mesch-Geschirr mit breiter Druckverteilung. Bei kleinen Hunden muss unbedingt auf ein großen Halsausschnitt geachtet werden, sodass das Geschirr nicht in den Hals einschneiden kann (ggf muss man es zuschneiden). Ein Y-Geschirr ist meistens nur für kräftigere Brustkörbe geeignet, die gut mit Muskulatur ausgestattet sind. Je breiter der Gurt, je besser die Druckverteilung.

Gerade in der Lernphase empfiehlt es sich, das Geschirr mit einem Halsband zu kombinieren. Durch die Verwendung einer Doppelleine behältst du die volle Kontrolle und kannst punktuellen Druck auf das Geschirr sanft abfangen. Das oberste Gebot dabei lautet: Vermeide Zug auf der Leine, wann immer es möglich ist! Um deinem Hund die richtige Position an deiner Seite zu verdeutlichen, kann ein kleiner Target-Gegenstand auf Kniehöhe Wunder wirken – nimmt er die Position ein, folgt sofort das Lob über die Stimme. Vergiss dabei nicht, dass ein junger Hund Raum für seinen Bewegungsdrang braucht. Nur ein Hund, der sich körperlich auslasten darf, findet die nötige innere Ruhe zum Lernen.

Und zu guter Letzt ein Halsband für Jeden! Es sieht nicht nur gut aus, sondern kann auch gegen Zecken helfen. Wer nicht an die Wirkung von Keramik glaubt, kann die Keramikelement mit einem natürlichen Zeckenmittel beträufeln, statt dies direkt auf die Haut des Hundes zu geben. Dies ersetzt nicht das obligatorische Absuchen nach Zecken nach dem Spaziergang, denn je früher sie raus kommen, je weniger Gefahr geht von Zecken aus! Tolle Kombinationen findest du mit dem nachfolgenden Link!

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